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Blogtitelbild der kleinen Kryptogeschichte Teil 3 des BISON Blogs.

Kleine Geschichte der Kryptowährungen (3/4): Von den Altcoin bis zum Beginn der großen Bitcoin Rallye

Inzwischen existieren viele tausend Kryptowährungen und der Marktwert all dieser Coins riss jüngst die Zwei-Billionen-Dollar-Marke. Notenbanken beschäftigen sich mit dem Thema, die Öffentlichkeit diskutiert Vor- und Nachteile und aktuelle Kursbewegungen sind Teil der Nachrichtenwirtschaft geworden. All dies sind unzweifelhaft Nachweise, dass die Bedeutung der Kryptowährungen inzwischen viel größer ist, als deren Schöpfer es sich vor etwa 15 Jahren vermutlich erträumt haben.
Wie entstand Bitcoin, wer waren die Menschen dahinter, was war deren Motivation und wie hat sich all das entwickelt? Gemäß der Erkenntnis, dass man die Gegenwart oft nur versteht, wenn man deren Geschichte kennt, wollen wir hier im BISON Blog in einer kleinen Artikelserie die Geschichte von Bitcoin & Co erzählen. Teil eins befasste sich mit den Anfängen der Kryptowährungen bis hin zur Entstehung des Bitcoin. Im zweiten Teil ging es um die Anfänge der Transaktionen und Kryptobörsen, Bitcoin-Blasen und Altcoin. Teil Nummer drei erzählt vom Bärenmarkt, dem Blocksize-Streit und dem zweiten Halving.

2013: Bitcoin-Verbot in China

Bitcoin war 2013 im Kommen und im Herbst entdeckte China ebenfalls seine Begeisterung für die Kryptowährung. Firmen akzeptierten Bitcoin und selbst das chinesische Staatsfernsehen berichtete positiv über die digitale Währung. China erkannte früh den Wert des Bitcoin als knappes Gut. Die Aktivitäten auf dem riesigen chinesischen Markt führten dazu, dass der Handel mit Bitcoin und den Altcoin im Jahr 2013 stark zunahm. Im September kletterte der Preis zunächst auf 110 Dollar, im Oktober auf 180 Dollar und im November schließlich sogar auf 1.000 Dollar.
Pünktlich zum Black Friday Sale Ende November akzeptierten Online-Shops Bitcoin als Zahlungsmittel. Nie zuvor hatten so viele Menschen ihre Bestellungen mit der Kryptowährung beglichen wie an diesem Freitag. Die Begeisterung für Bitcoin wirkte sich ebenfalls auf den Kurs aus, der auf 1.260 Dollar sprang. Der Bitcoin war nun wertvoller als 1 Unze Gold. Dieser Tag ging als „Bitcoin Black Friday“ in die Geschichte ein.
Wie es bei Blasen üblich ist, platzte auch diese irgendwann. Bereits ein paar Tage später nach dem neuen Allzeithoch, am 05. Dezember, fiel der Kurs und verlor fast die Hälfte seines Wertes. Anlass dazu waren chinesische Regulierungen: Die chinesische Zentralbank hatte den Finanzinstituten im Land den Handel mit Kryptowährungen verboten.

Die dritte Bitcoin Blase im Jahr 2013 im Blogbeitrag zur Geschichte der Kryptowährungen.
2013: Dritte Bitcoin Blase

2013: „I AM HODLING.“

Original Forenbeitrag des mittlerweile sehr bekannten Spruchs "I am hodling" im Blogbeitrag Geschichte der Kryptowährungen.
Original Beitrag im Forum3

Am 18. Dezember 2013 wurde der Nutzer des BitCoinTalk Forums „GameKyuubi“ zur Legende. Er veröffentlichte einen Beitrag mit dem Titel: „I AM HODLING“. Der damals betrunkene Softwareentwickler wollte eigentlich „holding“ (deutsch: halten) schreiben.1 Seine Intention war, öffentlich kundzutun, dass er seine Bitcoin halten wird und die Kryptowährung weiterhin unterstützt werden muss. In der Kryptowelt hat sich „Hodling“ als fester Begriff für das „Beibehalten einer Kryptowährung in ihrem bevorstehenden Wachstum“ 2 etabliert.

2014: Untergang der Kryptobörse Mt. Gox

Bei Mt. Gox, einer der damals größten Kryptobörsen, kriselte es schon länger. Die amerikanische Börsenaufsicht fror die Bankkonten von Mt. Gox ein, weshalb sich Dollar-Auszahlungen stark verzögerten. Im Februar reichten die Kapazitäten der Börse für die hohen Bitcoin-Bestände der Kunden nicht mehr aus, sodass sie ebenfalls Bitcoin-Auszahlungen einstellte. In einer Pressemitteilung vom 28. Februar 2014 erklärte Mark Karpelès, CEO von Mt. Gox, alle Bitcoin als verloren.

In diesem Zusammenhang war ein Video in aller Munde. Der Brite Kolin Burges war von London nach Tokio geflogen, um vor dem Eingang zum Büro der Börse auf Karpelès zu warten und ihn höchstpersönlich nach seinen Bitcoin zu fragen. In der Hand hielt er ein Schild mit der Aufschrift: „Mt. Gox, where is our money“ (deutsch: Mt. Gox. Wo ist unser Geld).
Der Totalausfall der Kryptobörse Mt. Gox läutete den Bärenmarkt ein. Über ein Jahr hinweg sanken die Kurse, Investitionen ließen nach und Firmen gingen bankrott.

2014: Ausbleiben der Erfolge

Das Jahr 2014 könnte man unter dem Motto „Euphorie und Investments, aber keine großen Erfolge für die Kryptowährungen“ zusammenfassen. Obwohl die Akzeptanz von Bitcoin bei großen Unternehmen und Investoren stieg, stürzte der Kurs weiter in die Tiefe. Von etwa 900 Dollar im Januar 2014 fiel der Preis auf rund 200 Dollar im Januar 2015.4 Medien berichteten, dass Bitcoin tot sei oder werde „langsam, aber sicher zerfallen“. (Bergmann, C. (2019), S. 214 zitiert nach London New Statesman)
Bei anderen Kryptowährungen wie XRP blieben Erfolge ebenfalls aus. Seit seiner Veröffentlichung im Jahr 2012 lag der Wert von XRP häufig unter einem Cent. Im Dezember 2013 erreichte der XRP-Preis seinen damaligen Höchsttand von rund 5 Cent. Im Bärenmarkt pendelte sich der Kurs zunächst wieder bei unter einem Cent ein.5 Ein ähnliches Phänomen zeigte sich beim Litecoin, der auf über 40 Dollar sprang und sich bei weniger als 10 Dollar stabilisierte.6

2014: Entwicklung von Ethereum

Illustration des Ethereum-Gründers Vitalik Buterin im Blogbeitrag zur Geschichte der Kryptowährungen.
Vitalik Buterin

Jede Transaktion wird vor ihrer Ausführung von einem Skript überprüft, unter welchen Bedingungen diese gültig ist. Auf Basis dieser Kernidee wurde Ethereum entwickelt. Bereits im Jahr 2014 begann Vitalik Buterin Skripte und Software für die Kryptowährung zu entwerfen. Dazu baute er sich ein Team von Entwicklern auf. Diese schrieben eigene Programmiersprachen, mit denen sie auch Smart Contracts verfassen konnten. Diese flexiblen Verträge erlauben es Token wie Gutscheine, Bilder oder Immobilienanteile in der Blockchain abzubilden.

Ethereum trat schließlich im August 2015 in den Kryptomarkt ein und wurde bereits ein Jahr später zur Konkurrenz von Bitcoin. Der Preis lag Mitte 2016 bei 20 Dollar.

2015: Aufschwung für Kryptowährungen in Krisen

Krisen einer Fiatwährung stärken die Anwendung von Kryptowährungen. So auch in der Griechenland-Krise im Juni 2015. Der neu gewählte Ministerpräsident Alexis Tsipras versprach die dem Land auferlegte Sparpolitik zu beenden. Nach einigen Auseinandersetzungen mit der EU-Kommission um Finanzhilfen für das Land stieß Tsipras eine Volksabstimmung über die Konditionen der Rettungspakete an. Die Europäische Zentralbank sperrte daraufhin die Kredite für die griechischen Banken, sodass diese ihre Euroauszahlungen an den Bankautomaten auf 60 Euro am Tag beschränken mussten.
Diese Kapitalkontrollen gaben dem Bitcoin Rückenwind und dessen Kurs stieg nach einigen Monaten von der 200 auf 300 Dollar. Griechische Bitcoin-Start-ups gründeten sich und große Unternehmen versuchten ihre Produkte mit Bitcoin zu veräußern.
Trotz der Euphorie für Kryptowährungen, nahte das Ende der griechischen Krise schneller als man Bitcoin als Zahlungsmittel etablieren konnte. Auch bei anderen Krisen wie der Ölpreiskrise in Nigeria 2014 oder in Venezuela 2016 stieg das Interesse am Bitcoin.

2015: Blocksize-Streit

Gavin Andresens wurde zum Nachfolger von Satoshi Nakamoto. Der Entwickler machte Bitcoin zu seiner Lebensaufgabe, programmierte und optimierte den Quellcode und konzentrierte sich im Jahr 2014 auf die Blocksize, also die Kapazität eines Bitcoin-Blocks. Dies ist eine wichtige Größe, da ein Full Node die ganze Blockchain speichern und die Informationen einer Transaktion prüfen sowie an die Miner weiterleiten muss. Durch mehr Zahlungsvorgänge steigt die notwendige Rechenleistung und Speicherkapazität an.
Da die Blöcke der Bitcoin-Blockchain im Dezember 2014 bereits 0,4 Megabyte (MB) groß waren, das Limit lag bei 1 MB, skalierte Gavin sie auf bis zu 20 MB. Technische Hürden wie Anforderungen an den Arbeitsspeicher oder die Miner hatte er durchdacht und ausgeschlossen. Deshalb veröffentlichte er im Juni 2015 das „Bitcoin Improvement Proposal“ (BIP101), einen Vorschlag, in dem er das Blocksize-Limit zunächst auf 8 MB erhöhen und anschließend alle 2 Jahre verdoppeln wollte.

Im Blocksize-Streit kämpften die Big Blocker gegen die Small Blocker. Illustration im Blogbeitrag zur Geschichte der Kryptowährungen.
Small Blocker vs. Big Blocker

Allerdings stieß die Blocksize-Erhöhung auf Widerstand bei einigen Bitcoin-Entwicklern, die zu den sogenannten Small Blockern gehörten. Sie vertraten die Ansicht, dass die Größe der Bitcoin-Blöcke möglichst niedrig bleiben soll.
Der damalige Bitcoin-Chefentwickler Wladimir van der Laan äußerte sich verhalten und wollte den Code erst ändern, wenn Einigkeit über das Blocksize-Limit herrschte. Da kein Konsens über die Größe der Blöcke bestand, traf der Big Blocker Mike Hearn eine Entscheidung und baute BIP101 in seine Softwareversion für einen Node „BitcoinXT“ ein. 

Hearn sah keine Möglichkeit mehr, sich mit den Small Blockern zu einigen, und übertrug die Entscheidung den Minern: „Wir schreiben eine modifizierte Version der Software und lassen die Miner darüber abstimmen, so, wie sie es bei jedem Upgrade machen.“ (Bergmann, C. (2019), S. 331) Auf Social Media wurde die Blocksize-Erhöhung stark diskutiert und Mike Hearn persönlich angegriffen. Chinesische Mining-Farmen und große Unternehmen waren für das Upgrade, sodass die Menge der XT-Nodes anstieg. Allerdings überforderten nach dem Softwareupdate die Datenmengen von sogenannten DoS-Angriffen die Bitcoin-Nodes. Viele Unterstützer wurden dadurch von der BitcoinXT-Nutzung abgeschreckt. Im Januar 2016 zog sich Hearn aufgrund der Vorfälle aus der Entwicklung von Bitcoin zurück.

2015: "SegWit" Upgrade

Im September und Dezember 2015 veranstalteten die Small Blocker Workshops, um eine Lösung für die Skalierbarkeit zu finden. Pieter Wuille präsentierte im Rahmen dieser Veranstaltung ein Konzept mit dem Titel „Segregated Witness und sein Einfluss auf die Skalierbarkeit“. Das sogenannte „SegWit“-Upgrade erhöht die Kapazität eines Blocks durch Dritte auf 1,5 – 2 MB bzw. maximal 4 MB und verbessert so u.a. die Performance von Transaktionen. Da „SegWit“ ein Soft Fork ist, müssen Full Nodes nicht am Update teilnehmen. Die Einheit des Bitcoin-Netzwerkes kann folglich auch ohne Softwareupgrade gewahrt werden. Gregory Maxwell, CEO des Blockchain-Unternehmens Blockstream, erkannte diese Chance und schrieb eine E-Mail an die Entwickler. Darin stellte er alle Informationen und Vorteile von „SegWit“ zusammen. Letztendlich setzte sich „SegWit“ als Kompromiss durch, wurde allerdings erst im August 2017 aktiviert.

Illustration des "SegWit" Erfinders Pieter Wuille im Blogbeitrag zur Geschichte der Kryptowährungen.
Pieter Wuille

2016: Widerstand der Big Blocker

Illustration des Big Blockers Gavin Andresens im Blogbeitrag zur Geschichte der Kryptowährungen.
Gavin Andresens

Die Big Blocker rund um Gavin Andresens waren mit der „SegWit“-Lösung nicht zufrieden, denn der Soft Fork würde die Kapazitäten nicht ausreichend erhöhen und viel mehr Aufwand als ein Hard Fork bedeuten. Andresens implementierte Bitcoin Classic, das ebenfalls ein Limit von 2 MB hatte, und drängte auf einen Hard Fork. Sobald 75 Prozent der Miner für eine Woche Bitcoin Classic unterstützen, sollte die Spaltung beschlossen sein.

Im Februar 2016 schlossen die Bitcoin-Entwickler der Small Blocker mit Minern einen Vertrag. Im „Konsens von Hongkong“ einigten sich die Beteiligten darauf, dass die Miner nur solche Systeme verwenden, die mit denen der Small Blocker kompatibel sind, und es auf Basis des „SegWit“-Updates einen Hard Fork geben wird. Bitcoin Classic war fortan Geschichte, da Andresens die Loyalität der Miner verloren hatte. Auch der weitere Forkversuch mit der Softwareversion „Bitcoin Unlimited“ scheiterte.

2016: Zweites Halving

In den Sommermonaten gab es für den Bitcoin Aufwind und die Transaktionen stiegen an. Ein Ende des Bärenmarktes war in Sicht. Am 09. Juli 2016 erreichte die Blockchain ihren 420.000 Block. Am Tag des zweiten Halvings halbierte sich die Belohnung der Miner und lag nun bei 12,5 Bitcoin pro gefülltem Block. Zunächst pendelte sich der Preis bei 600 Dollar ein. Im November wirkte sich die Verknappung der erzeugten Bitcoin durch das Halving aus. Der Bitcoinkurs stieg auf 700 Dollar und bis Dezember auf 1.000 Dollar an.
Der Traum vom digitalen Gold verbreitete sich immer weiter und kurz darauf begann die große Bitcoin-Rallye. Der Blocksize-Streit war allerdings noch lange nicht ausgefochten.

Quellen:

  • Hauptquelle: Bergmann, C. (2019). Bitcoin. Die verrückte Geschichte vom Aufstieg eines neuen Geldes. 2. Auflage. Neu-Ulm/Nersingen: MOBY Verlagshütte.
  • 1 Böhm, M. (2017). Bitcoin-Meme „HODL“. Wie ein Betrunkener einen klugen Finanztipp gab. Online unter: https://www.spiegel.de/netzwelt/web/bitcoin-meme-hodl-wie-ein-betrunkener-einen-klugen-finanztipp-gab-a-1184046.html (zuletzt abgerufen am 20.07.21).
  • 2 bitcoinwiki (o. D.). HODL. Online unter: https://de.bitcoinwiki.org/wiki/HODL (zuletzt abgerufen am 20.07.21).
  • 3 bitcointalk (2013). Bitcoin Forum. Topic: I am Hodling. Online unter: https://bitcointalk.org/index.php?topic=375643.0 (zuletzt abgerufen am 20.07.21).
  • 4 CoinMarketCap (2021). Bitcoin. Online unter: https://coinmarketcap.com/de/currencies/bitcoin/ (zuletzt abgerufen am 20.07.21).
  • 5 CoinMarketCap (2021). XRP. Online unter: https://coinmarketcap.com/de/currencies/xrp/ (zuletzt abgerufen am 20.07.21)
  • 6 CoinMarketCap (2021). Litecoin. Online unter: https://coinmarketcap.com/currencies/litecoin/ (zuletzt abgerufen am 20.07.21)
  • 7 YouTube/Jon Southurst (2014). Protest at Mt Gox, Tokyo, 14th February 2014. Online unter: https://youtu.be/ob9Ak1t09Ao (zuletzt abgerufen am 20.07.21)
Christoph Bergmann

Christoph Bergmann

Der Wirtschaftsjournalist und Historiker Christoph Bergmann zählt zu Deutschlands führenden Krypto-Experten. Bereits seit 2013 fasziniert ihn die Welt von Bitcoin, Ethereum und Co. Seine Arbeit wurde bis dato mit mehreren Awards ausgezeichnet.