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Blog der BISON App | Geschichte der Kryptowährungen Teil 4

Kleine Geschichte der Kryptowährungen (4/4): Beginn der großen Rallye bis heute

Inzwischen existieren viele tausend Kryptowährungen und der Marktwert all dieser Coins hat jüngst die Zwei-Billionen-Dollar-Marke gerissen. Notenbanken beschäftigen sich mit dem Thema, die Öffentlichkeit diskutiert Vor- und Nachteile und aktuelle Kursbewegungen sind Teil der Nachrichtenwirtschaft geworden. All dies sind unzweifelhaft Nachweise, dass die Bedeutung der Kryptowährungen inzwischen viel größer ist, als deren Schöpfer es sich vor etwa 15 Jahren vermutlich erträumt haben.
Wie entstand Bitcoin, wer waren die Menschen dahinter, was war deren Motivation und wie hat sich all das entwickelt? Gemäß der Erkenntnis, dass man die Gegenwart oft nur versteht, wenn man deren Geschichte kennt, wollen wir hier im BISON Blog in einer kleinen Artikelserie die Geschichte von Bitcoin & Co erzählen. Im ersten Teil ging es von den Anfängen der Kryptowährungen bis hin zur Entstehung des Bitcoin. Der zweite Teil beschäftigte sich mit den Anfängen der Transaktionen und Kryptobörsen, Bitcoin-Blasen und Altcoin. Teil Nummer drei erzählt vom Bärenmarkt, dem großen Blocksize-Streit und dem zweiten Halving. Der letzte Teil handelt von der großen Bitcoin-Rallye, dem Hard Fork und Bitcoin Cash, dem Bärenmarkt und aktuellen Entwicklungen.

2017: Die erste große Rallye

Bereits im Dezember 2016 lag der Bitcoin-Kurs bei rund 1.000 Dollar, der Bullenmarkt begann. Bis Ende des Jahres 2017 steigerte sich der Preis fast um das Zwanzigfache. Im Juni befand er sich noch bei rund 3.000 Dollar, am Jahresende bereits bei über 19.000 Dollar. Gemessen an der Marktkapitalisierung, war der Wert aller Bitcoin mit 250 Milliarden Dollar doppelt so groß wie der Börsenwert des damals größten Dax-Unternehmens SAP.
Betrachtet man die Marktkapitalisierung aller Kryptowährungen so wuchs diese von 12 auf 750 Milliarden Dollar, denn auch Altcoin wie Ethereum und Litecoin erlebten im Frühjahr 2017 Höhenflüge. An den Krypto-Börsen nahmen die Neuanmeldungen stark zu, Krypto-Start-ups gründeten sich und Investoren wurden zu Multimillonären.

Die Krypto-Milliardäre wurden meist nicht durch den Besitz von Bitcoin sondern durch Altcoin reich. Auf einer Liste von Superreichen der Kryptowelt des Wirtschaftsmagazins Forbes galt Ripple CEO und Gründer Chris Larsen Anfang 2018 als reichster Krypto-Milliardär. Er besaß zwar lediglich 5 XRP, allerdings schoss diese Kryptowährung von 0,5 Cent auf über 3 Dollar. Betrachtet man die Gesamtzahl der XRP, waren diese über 100 Milliarden Dollar wert. Vitalik Buterin, Gründer von Ethereum, zählte ebenfalls zu den reichsten Personen der Kryptowelt, denn Forbes schätzte 2017 sein Vermögen auf 300 bis 400 Millionen Dollar.
Da weiter ungeklärt ist, wer sich hinter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto verbirgt, wurde der Bitcoin-Erfinder nicht zur Liste hinzugezählt. Eigentlich müsste er zu der Zeit der reichste Mann der Kryptowelt gewesen sein. Sein theoretisches, in Bitcoin angelegtes Vermögen lag vermutlich bei rund 20 Milliarden Dollar.

Illustration von XRP-Gründer Chris Larsen im Blogbeitrag zur Geschichte der Kryptowährungen.
Chris Larsen

2017: Das Ende des Blocksize-Streits naht

Im Jahr 2016 heizte sich die Stimmung zwischen den Big Blockern und den Small Blockern auf. Der zuvor geschlossene „Konsens von Hongkong“ war allerdings wegen einer zeitlich verzögerten Umsetzung zum Scheitern verurteilt. Einerseits war „SegWit“ zum vereinbarten Veröffentlichungsdatum noch gar nicht getestet und andererseits kehrten die Bitcoin-Entwickler den anschließend geplanten Hard Fork heimlich unter den Tisch. Die Small Blocker steckten folglich in der Klemme, denn sie befürworteten „SegWit“, aber bestritten den vereinbarten Hard Fork. Außerdem weigerten sich einige Miner das Upgrade durchzuführen. Der Small Blocker Gregory Maxwell beschrieb deren Auftreten als „eines der rätselhaftesten Verhalten einiger Mitglieder des Mining-Ökosystems“. (Bergmann, C. (2019), S. 363) Die gegenüber dem Update deutlich reservierte Haltung der Miner wurde unter anderem durch die Verwendung von AsicBoost, einer heimlichen Methode mehr aus ihrem Asic-Mining herauszuholen, erklärt. Diese war nicht kompatibel mit „SegWit“.

Graph mit Blocksize Limit im Blogbeirag zur Geschichte der Kryptowährungen.
Blocksize

Eine Einigung des Blocksize-Streits wurde im Jahr 2017 unmöglich. Im Januar kamen die Bitcoin-Blöcke häufig an ihr Maximum von 1 MB. Die Bestätigung der Transaktionen dauerte immer länger und die Transaktionsgebühren stiegen an. Im Mai und Juni gab es sogar Tage, an denen 200.000 Transaktionen wegen der Kapazitätsengpässe nicht bestätigt werden konnten. Langsam verbreitete sich in den Foren Panik und Bitcoin-Entwickler griffen auf Altcoin wie Ethereum zurück. Ethereum war vor allem wegen der Smart Contracts attraktiv. 

Das wirkte sich auch auf die Marktanteile einzelner Kryptowährungen aus. Zu Jahresbeginn lag der Anteil von Bitcoin bei 85 Prozent, im Juni verlor er seine Dominanz am Kryptomarkt und verfügte kurzzeitig lediglich über 40 Prozent.

2017: Bitcoin Cash

Die Small Blocker und Big Blocker spalteten sich nun in drei Lager auf: Eine Partei versuchte einen User-aktivierten Soft Fork durchzusetzen. Wer zum Stichtag nicht am Soft Fork teilnahm, produzierte in Zukunft ungültige Blöcke. Die zweite Bewegung war SegWit2x, welche versuchte einen Kompromiss zwischen Small und Big Blockern zu finden. Die dritte Initiative war Bitcoin Cash.
Ein wichtiger Anführer war Jihan Wu, Besitzer von Bitmain, eine der größten Mining-Farmen. Er fühlte sich durch das Scheitern des „Konsens von Honkong“ hintergangen und wollte einen User-aktivierten Hard Fork durchsetzen. Dieser soll das Limit der Blöcke umgehend erhöhen und die Blocksize auf lange Sicht variabel gestalten. Die Big Blocker waren euphorisiert und „SegWit“ war vergessen.
Am 01. August war es soweit: der Tag des Hard Forks. Zunächst wurde kaum ein Block auf der neuen Blockchain gefunden. Ein anonymer Miner schürfte trotz Verlusten Bitcoin Cash (BCH) und hielt so die BCH-Blockchain über Wasser. Der Hard Fork war erfolgreich.

Illustration des Bitcoin Cash im Blogbeitrag zur Geschichte der Kryptowährungen.
Bitcoin Cash

2018: Die Blase platzt

Anfang 2018 fielen die Kurse von Bitcoin und den Altcoin innerhalb weniger Wochen drastisch. XRP stürzte von seinem Allzeithoch von 3,84 Dollar auf rund 50 Cent,2 Bitcoin Cash erreichte ebenfalls sein Rekordhoch und fiel von 4.355 Dollar auf etwa 1.000 Dollar.3
Insgesamt verzeichneten Anleger trotzdem Gewinne, wenn sie vor November 2017 in Kryptowährungen investiert hatten.
Über das Jahr hinweg schwankte der Bitcoin-Kurs zwischen 6.000 und 10.000 Dollar bis er Ende des Jahres auf rund 3.500 Dollar abstürzte. Die Altcoin-Kurse fielen im Vergleich zu ihrem damaligen Allzeithoch ebenfalls über 80 Prozent. Ein weiterer Bärenmarkt begann, in dem viele Miner ihre Arbeit aufgaben, da die Stromkosten für das Schürfen der Kryptowährungen höher waren als der Ertrag.

2018 begann ebenfalls die Etablierung des sogenannten Lightning-Netzwerkes bei Bitcoin. Die Idee: Off-chain Prozesse sollen Transaktionen skalieren. Diese wird vom Sender in Echtzeit direkt zum Empfänger verschickt. Da die Zahlungen nun nicht mehr über Nodes laufen, werden diese privater.

Kurswerte der Vierten Bitcoin Blase im Blogbeitrag zur Geschichte der Kryptowährungen.
Vierte Bitcoin Blase

2019: Bärenmarkt und BISON App

Das Jahr 2019 war vom Bärenmarkt geprägt. Die Diskussionen um die Facebook-Kryptowährung Libra entfachten im Juni ein kurzes Kurshoch von etwa 13.900 Dollar, das allerdings durch den politischen Widerstand schnell wieder auf das Niveau von 6.300 Dollar fiel.1 
Obwohl die Kurse relativ unspektakulär verliefen, gründete sich 2019 die BISON App. Hinter dieser steht mit der Börse Stuttgart eine traditionelle Wertbörse. BISON ist nicht nur die erste Krypto-Trading-App einer Wertpapierbörse, sondern auch die erste Handels-App „Made in Germany“. Das Motto: Wir sind weder Bulle noch Bär – einfach BISON.

2020: Held in Krisenzeiten und drittes Halving

Illustration des Bitcoin Halvings im Blogbeitrag zur Geschichte der Kryptowährungen.
Drittes Bitcoin Halving

Einmal mehr wird Bitcoin zum Held in Krisenzeiten. Wie bei der Griechenland-Krise 2015 vertrauten auch die Menschen in der Zeit von politischen Spannungen in der Golfregion auf die Kryptowährung. Das ließ die Kurse auf über 9.000 Dollar ansteigen. Die Kurserholung war allerdings nur von kurzer Dauer, denn Investoren waren durch die bevorstehende Corona-Zeit verunsichert. Der Preis fiel auf 5.000 Dollar und verdoppelte sich kurz vor dem anstehenden Halving.
Am 11. Mai 2020 waren 630.000 Blöcke der Bitcoin-Blockchain gefüllt. Infolgedessen halbierte sich die Belohnung der Miner zum dritten Mal auf 12,5 BTC pro gefülltem Block

2020: Beginn der zweiten großen Rallye

Nach den mageren Jahren, die das Ende des Bitcoin-Boom von 2017 markierten, stiegen die Kurse der Kryptowährungen Ende 2020 wieder merklich an. Im Oktober gab Paypal bekannt, dass das Unternehmen in den Kryptomarkt einsteigen werde. Weitere institutionelle Anleger bekundeten ihr Interesse. Außerdem kam die Diskussion eines digitalen Euros bei der EZB auf, für welchen im Juli 2021 eine zweijährige Testphase beschlossen wurde.
Nach 23 Monaten stieg der Bitcoin-Kurs auf über 18.000 Dollar an, dann jagte im Dezember ein Allzeithoch das nächste. Die Nachfrage nach Bitcoin nahm bei privaten und institutionellen Anlegern stark zu. Bitcoin stieg im Januar 2021 auf 36.000 Dollar.1
Am 01. Dezember 2020 fiel der Startschuss für Ethereum 2.0 mit der Einführung die Beacon Chain. Sie soll Proof of Stake einführen und das Ethereum-2.0-Netzwerk koordinieren.4

Kursverlauf der Bitcoin Rallye 2021 im Blogbeitrag zur Geschichte der Kryptowährungen.
Bitcoin Rallye 2021

2021: Ein Jahr voller Rekorde

Im Januar stieg Bitcoin auf 36.000 Dollar. Äußerungen auf Twitter von Tesla CEO Elon Musk lösten einen regelrechten Kurssprung auf über 38.000 Dollar aus. Kurze Zeit später investierte Tesla 1,5 Milliarden in Bitcoin. Der Bitcoin-Kurs sprang um weitere 20 Prozent in die Höhe und lag bei 48.000 Dollar. Eine Woche danach, am 16. Februar, stieg der Preis über 50.000 Euro und einen Monat später auf 61.700 Dollar. Der März blieb weiter ereignisreich: Paypal führte Zahlungen mit Kryptowährungen ein und ein YouTuber schaffte es erstmal mit seinem Gameboy Bitcoin zu schürfen.5

Auch im April war viel Dynamik im Kryptomarkt. Der Marktwert aller Kryptowährungen stieg erstmals über 2 Billionen Dollar.6 Als am 13. April Coinbase an die Börse ging, stellten Ethereum und Bitcoin neue Rekordwerte auf. Der Ethereum-Kurs schnellte auf 2.000 Dollar, Bitcoin auf 64.000 Dollar. Anschließend machten die Kurse eine kleine Verschnaufpause und verloren binnen weniger Tage deutlich an Wert. Weitere Dämpfer folgten durch Gerüchte der USA, die Kapitalertragssteuer merklich zu erhöhen und ein Verbot von Bitcoin als Zahlungsmittel in der Türkei.

Illustration des Minings mit einem Gameboy im Blogbeitrag zur Geschichte der Kryptowährungen.
Mining mit einem Gameboy

Weitere Erfolge knüpften im Mai an. Zum ersten Mal konnte bei einer Auktion ein physisches Kunstwerk mit Kryptowährungen bezahlt werden. Das Auktionshaus Sotheby`s ermöglichte seinen Bietern, das Bansky Gemälde „Love is in the Air“ ebenfalls in Bitcoin oder Ether zu bezahlen. Kurze Zeit später erreichte Ethereum sein Allzeithoch von etwa 4.000 Dollar.

2021: Abwärtstrend

Illustration des Tesla CEO Elon Musk im Blogbeitrag zur Geschichte der Kryptowährungen.
Ursachen für den Abwärtstrend

So wie Tesla CEO Elon Musk den Kryptomarkt durch seine vorangegangenen Tweets beflügeln konnte, so konnte er ihn auch auf Talfahrt schicken. Als Musk bekannt gab, dass Tesla seine Bitcoin verkaufen werde, purzelten die Kurse auf rund 42.000 Dollar in die Tiefe. Durch harte Regulierungen und ein Miningverbot in China sowie Einschränkungen in den USA fielen die Kurse weiter unter 40.000 Dollar.
Am 9. Juni wurde Bitcoin zum offiziellen Zahlungsmittel im lateinamerikanischen El Salvador. Der Kurs erlebte kurzzeitig einen Aufschwung, bevor er wieder abfiel und Ende Juni unter der 30.000 Dollar Marke lag.

Zukunft

Die Zukunft der Kryptowährungen vorherzusagen ist unmöglich. Die Umstellung auf Ethereum 2.0 nimmt ihren Lauf und soll bis 2022 abgeschlossen sein. Jeden Tag kommen durchschnittlich 7 neue Kryptowährungen hinzu und der letzte Bitcoin wird voraussichtlich 2140 geschürft werden. Ob Satoshi Nakamoto jemals auftaucht, bleibt weiter fraglich.

Quellen:

  • Hauptquelle: Bergmann, C. (2019). Bitcoin. Die verrückte Geschichte vom Aufstieg eines neuen Geldes. 2. Auflage. Neu-Ulm/Nersingen: MOBY Verlagshütte.
  • 1 Ivanov, A./Imöhl, S. (2021). Bitcoin-Kurs stabilisiert sich bei 40.000 Dollar. Online unter: https://www.handelsblatt.com/finanzen/maerkte/devisen-rohstoffe/bitcoin-entwicklung-bitcoin-kurs-stabilisiert-sich-bei-40-000-dollar/26896026.html (zuletzt abgerufen am 30.07.21).
  • 2 CoinMarketCap (2021). XRP. Online unter:  https://coinmarketcap.com/currencies/xrp/ (zuletzt abgerufen am 30.07.21)
  • 3 CoinMarketCap (2021). Bitcoin Cash. Online unter: https://coinmarketcap.com/currencies/bitcoin-cash/ (zuletzt abgerufen am 30.07.21)
  • 4 ethereum.org (2021). Die Beacon Chain. Online unter: https://ethereum.org/de/eth2/beacon-chain/#gatsby-focus-wrapper (zuletzt abgerufen am 30.07.21).
  • 5 t3n (2021). 1 Bitcoin in „ein paar Billiarden Jahren“ – YouTuber bringt Gameboy zum Schürfen. Online unter: https://t3n.de/news/bitcoin-gameboy-mining-1370003/ (zuletzt abgerufen am 30.07.21)
  • 6 Steinschaden, J. (2021). Der Krypto-Markt ist jetzt größer als das wertvollste Unternehmen der Welt. Online unter: https://www.trendingtopics.at/der-krypto-markt-ist-jetzt-groesser-als-das-wertvollste-unternehmen-der-welt/ (zuletzt abgerufen am 30.07.21)
Christoph Bergmann

Christoph Bergmann

Der Wirtschaftsjournalist und Historiker Christoph Bergmann zählt zu Deutschlands führenden Krypto-Experten. Bereits seit 2013 fasziniert ihn die Welt von Bitcoin, Ethereum und Co. Seine Arbeit wurde bis dato mit mehreren Awards ausgezeichnet.