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BISON Blog | Nachhaltigkeit Kryptowährungen

Nachhaltigkeit bei Kryptowährungen

Kryptowährungen stehen beim Thema Nachhaltigkeit immer wieder in der Kritik, dass sie insbesondere beim Energiebedarf eine negative Klimabilanz aufweisen. „Bitcoin verbraucht mehr Strom als die Niederlande“ oder auch „Stromfresser Bitcoin“ – so die üblichen Schlagzeilen in den Medien. Die Anbieter von Kryptowährungen werden sich diesem Thema stellen müssen, denn die Diskussionen darüber verstellen den Blick auf die wichtigen sozialen und ökonomischen Herausforderungen, auf die Kryptowährungen sehr nachhaltige Antworten liefern. Bitcoin, Ethereum und Co sind eben viel mehr als nur eine „energiefressende Umweltsünde“, die sich ein paar IT-Nerds zwecks Spielerei ausgedacht haben. Sie können z. B. im Bereich Finanzdienstleistungen ein Angebot darstellen, auf das Menschen zugreifen können, die bisher davon ausgeschlossen waren.

In diesem Blogbeitrag zeigen wir euch, wie Nachhaltigkeit und Kryptowährungen zusammenpassen, wo noch Optimierungsbedarf besteht und wie die BISON Herde aktuell die Umweltaspekte des Bitcoins einschätzt.

Wie tragen Kryptowährungen zur Nachhaltigkeit bei?

Zunächst ein kleiner Ausflug in die unterschiedlichen Aspekte der Nachhaltigkeit, um zu verstehen, wie Kryptowährungen dazu beitragen könnten. Der Begriff nachhaltig umfasst nicht nur die Umweltwirkungen. Von der ökologischen Nachhaltigkeit ist allerdings am häufigsten die Rede. Diese kann aber nicht isoliert von der ökonomischen und der sozialen Nachhaltigkeit bewertet werden. Aus diesem Dreieck ergeben sich Wechselwirkungen.

Ökonomisch nachhaltig ist ein Unternehmen dann, wenn nicht kurzfristige Profite im Zentrum der Geschäftstätigkeit stehen, sondern wenn es mit seinem Handeln eine langfristige Strategie verfolgt. Eine nachhaltige Gesellschaft wiederum widmet sich Zielen wie der Bekämpfung von Armut, einem funktionierenden Gesundheitswesen, Zugang zu Bildung oder der Vermeidung sozialer Konflikte.

Nachhaltigkeitsaspekte

Kryptowährungen schaffen Zugang zum Finanzsystem

In vielen Entwicklungs- und Schwellenländern stehen Dienstleistungen von Banken nur einem Teil der Gesellschaft zur Verfügung. Die Zugangshürden sind hoch, die Kosten für Konten immens. Diese exklusiven Verhältnisse verhindern wirtschaftliche und soziale Entwicklung. Aber auch Kleinbauern, Handwerker oder Händler sind auf Geldtransfers angewiesen, haben jedoch Probleme mit dem Bankensystem in ihren Gesellschaften. Nur wer Zugang zum Finanzsystem hat, kann Geld transferieren, um Waren zu kaufen und zu verkaufen, Versicherungen bezahlen, in Bildung investieren usw. – alles Möglichkeiten, die nachhaltige Verbesserungen der Lebensqualität nach sich ziehen.1

Hier könnten Kryptowährungen eine niedrigschwellige, kostengünstige Alternative darstellen. Außerdem wird prinzipiell keine zwischengeschaltete Instanz und kein Mittelsmann mit eigenen Interessen benötigt, um an Bitcoin, Ethereum und Co teilzuhaben. Kryptowährungen stärken somit die soziale Nachhaltigkeit, denn auch Minderheiten, die Finanzdienstleistungen zwar benötigen, aber bisher keinen Zugriff darauf hatten, haben die Chance zu partizipieren.

Kryptowährungen gegen Diskriminierung

Kryptowährungen kennen keine unterschiedlichen Hautfarben, keine Geschlechter und keine sexuellen Vorlieben. Wer eine Transaktion auf der Blockchain tätigt, wird lediglich als ein Eintrag in einer Datenbank vermerkt. Die Wallet-Adresse und die Transaktionshöhe werden unveränderlich eingetragen. Niemand muss zunächst seine Identität oder seine Herkunft offenlegen. Sicher, bei Kryptohandelsplattformen müssen sich Personen bei der Registrierung verifizieren, um den gesetzlichen Vorgaben zu entsprechen. Trotzdem bleiben auch hier die Transaktionen weitestgehend pseudonym.

Coinbase Umfrage Nachhaltigkeit
Ergebnisse: Black Americans & Crypto
Eine Studie aus 2020 hat den Sachverhalt, dass der Zugang zu Finanzdienstleistungen durch soziale Vorbehalte beschränkt wird, bei unterschiedlichen Ethnien in den USA untersucht: Fast die Hälfte aller befragten Amerikaner mit dunkler Hautfarbe bestätigten, dass sie innerhalb der traditionellen Finanzdienstleistungen aufgrund ihrer Herkunft benachteiligt wurden. Im Vergleich: Nur 24 % der weißen Amerikaner empfanden das Gleiche. Folgerichtig waren dunkelhäutige Befragte interessierter in Kryptowährungen, denn um am Kryptomarkt mit seinen Möglichkeiten teilzuhaben, müssen sie ihre Identität nicht dokumentieren.2

Kryptowährungen schaffen Transparenz

Die Technologie hinter den Kryptowährungen ist dezentral organisiert. Keine Banken oder ähnliche Instanzen sind zwischengeschaltet und weitere Einflüsse wie ein künstlich niedriger Zinssatz bei traditionellen Finanzsystemen fallen weg.3 Das Netzwerk koordiniert sich selbst über eine verteilte Speicherung der Daten. Auf jedem verknüpften Rechner wird die Transaktionshistorie der Kryptowährung weitergeführt. Durch einen unveränderlichen Eintrag auf der Blockchain sind die Transaktionen folglich nachvollziehbar und manipulationssicher.

Durch die Möglichkeit, mit Hilfe von Smart Contracts Verträge auf der Blockchain abzubilden, lassen sich Prozesse effektiver gestalten und optimieren. Hat ein Flug beispielsweise Verspätung und dem Passagier stehen dadurch Ersatzleistungen zu, wird die Entschädigung durch den Smart Contract automatisch bezahlt. Es entfallen aufwändige Geschäftsprozesse.4 Auch das spart den Energieverbrauch.

Was können Kryptowährungen noch verbessern?

Kryptowährungen müssen bei der Nutzung von Energie besser werden, das bestreitet niemand. Hier gibt es einige Ansätze und Stellschrauben, an denen bereits gedreht wird, um das Mining, also den Betrieb des Blockchain-Netzwerks, grüner zu gestalten. Dieses Ziel verfolgt auch die Europäische Kommission. Die Krypto-Infrastruktur soll bis 2030 klimaneutral und energieeffizient ausgestaltet werden.5 Allerdings ist nicht jede Kryptowährung eine Umweltsünde! Wir stellen euch drei innovative Ansätze vor.

Proof of Stake statt Proof of Work

Ein wichtiger Aspekt beim Energieverbrauch von Kryptowährungen ist die Frage, ob das Mining auf Proof of Stake oder Proof of Work basiert. Bei Proof of Work beweisen Miner durch ihre Rechenkraft, dass sie einen Eintrag in die Blockchain vornehmen dürfen. Das heißt, Miner lösen kryptografische Probleme, benötigen allerdings dafür viel Energie. Denn die Lösung dieser Rätsel lässt sich nicht berechnen. Um die richtige Antwort zu finden, versuchen die Miner im Sekundentakt unterschiedliche Kombinationen auszuführen – und das milliardenfach. Das erhöht den Energieverbrauch erheblich. Außerdem stehen die Miner untereinander im Wettbewerb, was ebenfalls mehr Energieaufwand bedeutet.

Bei Proof of Stake hingegen beweisen Miner durch das Hinterlegen einer Kaution, dass sie einen neuen Block in der Blockchain hinzufügen dürfen. Nur wer Kryptowährungen besitzt, darf einen neuen Eintrag in der Blockchain machen. Die Idee dahinter ist: Jeder, der bereits in die Kryptowährung investiert hat, ist daran interessiert, die Transaktionen abzusichern. Das heißt, dass Transaktionen nur von Befugten stattfinden können. Dieser Prozess ist energiesparender als Proof of Work, da weniger Rechenleistung für einen neuen Block benötigt wird. Ein aktuelles Projekt zur Umstellung von Proof of Work zu Proof of Stake ist Ethereum 2.0. Das soll den Energieverbrauch der Ethereum-Blockchain um 99 % verringern.6

Erneuerbare Energie zur Stromerzeugung nutzen

Woher kommt die Energie für den Betrieb der Mining-Rechner? Eine wichtige Frage, die man sich stellen sollte, bevor man Kryptowährungen als „Umweltsünder“ darstellt. 75 % der Miner nutzen inzwischen erneuerbare Energien als Stromquelle oder speisen die Rechner zur Validierung der Blöcke mit „überschüssigem“ Strom. Überschüssige Energie kann nicht gespeichert werden und würde sonst nicht weiter verwertet werden. Ein Beispiel hierfür ist die größte Krypto-Mining-Farm in Paraquay. Sie bezieht ihren Energiebedarf vom drittgrößten Wasserkraftwerk der Welt, da die Region weniger Strom verbraucht als durch Wasserkraft erzeugt wird und Strom besonders günstig ist. Ein Bitcoin-Mining-Report vom Dezember 2019 stellt fest, dass „(…) das Bitcoin Mining stärker von erneuerbaren Energien getragen wird als fast jede andere Großindustrie der Welt.“7 Ein wichtiger Grund: Erneuerbare Energien sind inzwischen günstiger als solche aus konventionellen Kraftwerken und das Kryptobusiness ist eben extrem kostensensibel.

In nachhaltige Projekte investieren

Trotzdem sollten Bitcoin, Ethereum und Co noch grüner werden. Dazu könnten Krypto-Unternehmen in nachhaltige Projekte investieren. Das macht beispielsweise Ripple Labs, das Unternehmen hinter XRP. Innerhalb von 35 Jahren will Ripple durch Solarenergieprojekte 1,5 Mio. Tonnen CO2 kompensieren.8 Außerdem besteht die Möglichkeit, dass Kryptohandelsplattformen sogenannte CO2-Zertifikate anbieten. Durch diese können sich Nutzer bei Kauf oder Verkauf ihrer Kryptowährungen für nachhaltige Projekte einsetzen. Ein ähnliches Modell gibt es bei Fluggesellschaften. Momentan besteht allerdings bei der Umsetzung einer solchen Kompensation die Herausforderung, dass derzeit noch wenig Transparenz in Punkto CO2-Footprint beim Handeln mit Kryptowährungen besteht.9

Was denkt die BISON Herde?

Wir haben euch zu den Umweltaspekten des Bitcoins befragt und möchten die Ergebnisse sehr gerne mit euch teilen. Auf Social Media (Stand: 05.11.21) empfinden über 50 % der BISON Nutzer Nachhaltigkeit als wichtig und denken, dass der Handel mit Bitcoin eher nachhaltig ist. Etwas weniger als die Hälfte der BISON Herde äußert Interesse, den CO2-Verbrauch ihrer Trades durch die Unterstützung von Klimaschutzprojekten zu kompensieren. Ein Fünftel der Befragten wäre bereit ein paar Cent zu zahlen, etwas weniger würden sogar einen Beitrag von bis zu 3 Euro in Kauf nehmen.
Umfrage Nachhaltigkeit BISON
Ergebnisse: BISON Nachhaltigkeitsumfrage

Bei den Umfrageergebnissen über die Website (Stand: 15.12.21) sieht das Ergebnis ähnlich aus. Zudem finden 87 %, dass es Zeit ist, etwas für die Verbesserung des CO2-Footprints von Bitcoin zu unternehmen. Diese sollten primär Bitcoin-Miner, aber auch Handelsplätze und Anleger/Investoren umsetzen. Von der BISON Herde kamen viele konstruktive Vorschläge, wie eine solche Verbesserung realisiert werden könnte, darunter: „Mining nur noch CO2-neutral zulassen“, „Umstellung auf Proof of Stake“ oder „genug Bäume pflanzen“.

Fazit

Kryptowährungen tragen in Punkto soziale und ökonomische Gesellschaft bereits nachhaltig bei. Beim ökologischen Aspekt ist noch Luft nach oben. Mehr erneuerbare Energien beim Mining wie Wind-, Wasser- oder Solarenergie könnten zum Klimaschutz beitragen. Immer mehr umweltfreundliche Coins werden entwickelt und eine wachsend Zahl von Kryptounternehmen setzt sich für nachhaltige Projekte ein. Auch ein großer Anteil der BISON Herde hat Interesse daran, ihren CO2-Verbrauch beim Kaufen oder Verkaufen von Kryptowährungen zu kompensieren.

Quellen

  • 1 The World Bank (2018). Gains in Financial Inclusion, Gains for a Sustainable World. Online unter: https://www.worldbank.org/en/news/immersive-story/2018/05/18/gains-in-financial-inclusion-gains-for-a-sustainable-world (zuletzt abgerufen am 16.12.21).
  • 2 Haig, S. (2021). Flucht vor Finanzdiskriminierung: Minderheiten investieren in Krypto. Online unter: https://de.cointelegraph.com/news/minority-communities-are-investing-in-crypto-to-escape-financial-discrimination (zuletzt abgerufen am 16.12.21) und Coinbase (2020). Coinbase Reports: Black Americans & Crypto. Online unter: https://blog.coinbase.com/coinbase-reports-black-americans-crypto-97e54cc89f84 (zuletzt aufgerufen am 16.12.21).
  • 3 Reinberg, M. (2021). Marcus Reinberg gibt Einschätzung zur Zukunft von Kryptowährungen. Online unter: https://www.presseportal.de/pm/156927/5042590 (zuletzt abgerufen am 16.12.21).
  • 4 Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (o. D.). Blockchain macht Daten praktisch unveränderbar. Online unter: https://www.bsi.bund.de/DE/Themen/Verbraucherinnen-und-Verbraucher/Informationen-und-Empfehlungen/Technologien_sicher_gestalten/Blockchain-Kryptowaehrung/blockchain-kryptowaehrung_node.html (zuletzt abgerufen am 16.12.21).
  • 5 EU-Commission, Strategy for Financing the Transition to a Sustainable Economy, 6.7.2021, COM(2021) 390, final.
  • 6 Leising, M. (2021). Ethereum Closes In on Long-Sought Fix to Cut Energy Use Over 99%. Online unter: https://www.bloomberg.com/news/articles/2021-05-23/ethereum-closes-in-on-long-sought-fix-to-cut-energy-use-over-99 (zuletzt abgerufen am 16.12.21).
  • 7 Fidor Bank (o. D.). Krypto und Nachhaltigkeit: Passt!?Online unter: https://www.fidor.de/blog/krypto-nachhaltigkeit (zuletzt abgerufen am 16.12.21).
  • 8 t3n.de (2021). Ripple mit Partnerschaft für grünere Kryptobranche. Online unter: https://t3n.de/news/ripple-partnerschaft-fuer-1416208/ (zuletzt abgerufen am 16.12.21).
  • 9 Börse Stuttgart/Vereinigung Baden-Württembergische Wertpapier-börse e.V. (2021). Heiß diskutiert: Energieverbrauch von Kryptowährungen – Gestaltungsmöglichkeiten für Klimaneutralität und Energieeffizienz in der aktuellen politischen Diskussion.