- Yannick Rosenberger
- 20.09.2026
Einfache Übungen von Mental Coach Yannick Rosenberger
Du kannst den Ball nicht dahin zwingen, wo du ihn haben willst. Aber du kannst dich bestmöglich auf den nächsten Schlag vorbereiten – hier sind meine sechs Schritte dafür.
Der erste Abschlag eines Turniertages und der Abschlag auf Loch 15 einer entspannten Sonntagsrunde – für die meisten Golfer fühlen sich diese beiden Momente völlig unterschiedlich an. Mal ist der Kopf hellwach und fokussiert, mal noch beim Gespräch mit dem Flightpartner, mal schon beim nächsten Termin nach der Runde.
Genau diese Schwankungen sind einer der am meisten unterschätzten Gründe, warum sich die eigene Leistung auf dem Platz anders anfühlt als auf der Range. Es ist nicht der Schwung, der von Schlag zu Schlag unterschiedlich gelingt, sondern der Zustand, in dem du dich unmittelbar davor befindest.
Warum Konstanz im Kopf beginnt
Ohne festen Ablauf vor dem Schlag entscheidet der Zufall, in welchem mentalen Zustand du schwingst. Mal bist du fokussiert, mal abgelenkt und dein Ergebnis schwankt entsprechend, unabhängig von deiner eigentlichen technischen Fähigkeit.
Eine feste Routine unterbricht diesen Zufall. Sie ist wie ein Schalter, der deinen Kopf immer in denselben fokussierten Zustand versetzt – egal, ob du gehetzt oder entspannt bist, oder gerade ein gutes oder schlechtes Loch gespielt hast.
Das eigentliche Ziel der Schlagvorbereitung
Ich sage meinen Spielern oft: Du kannst den Ball nicht dahin zwingen, wo du ihn haben willst. Was du beeinflussen kannst, ist der Zustand, in dem du dich unmittelbar vor dem Schlag befindest. Das einzige wirkliche Ziel der Schlagvorbereitung ist deshalb: sich kurz bevor du ausholst bestmöglich zu fühlen – mit möglichst viel Vertrauen und Überzeugung.
Das bedeutet auch eine Verschiebung im Fokus. Nicht das Ergebnis steht im Mittelpunkt, sondern die Vorbereitung, das Einzige, das du tatsächlich beeinflussen kannst. Genau das ist der große Unterschied zwischen einem Schlag unter Druck und einem Schlag ganz ohne Stress, wie auf der Range. Je mehr sich dieser Prozess angleicht, desto näher rückt deine Leistung auf dem Platz an deine Leistung auf der Range heran. Am Ende ist genau das das eigentliche Ziel von mentalem Golf: mehr von deinen „PS“ auf den Platz zu bringen – also deine eigentliche Leistungsfähigkeit auch im Turnier abzurufen.
Meine sechs Schritte zur Schlagvorbereitung
Aus dieser Überzeugung heraus habe ich eine feste Schlagvorbereitung entwickelt, die dir dabei helfen wird, deutlich häufiger in den gewünschten mentalen Zustand beim Ausführen deines Schlags zu kommen und somit die Wahrscheinlichkeit auf ein konstanteres und gutes Ergebnis enorm zu steigern, egal ob du dich in einer entspannten Runde am Dienstagnachmittag befindest oder in einer Drucksituation im Turnier.
1. Bauchentscheidung & Bestätigung:
Nach einer kurzen Analyse der Situation (Entfernung, Wind, Balllage und wo ich genau hin möchte), wird die Schläger- und Schlagentscheidung aus dem Bauch heraus getroffen. Der erste Gedanke ist meistens der richtige. Danach bestätige ich mir bewusst, warum das die richtige Wahl ist. Diese kurze gedankliche Bestätigung gibt Sicherheit, ohne die Entscheidung wieder infrage zu stellen.
2. Laserfokus:
Ich richte meinen Fokus auf ein möglichst kleines, klares Ziel – nicht „irgendwo aufs Grün“, sondern ein exakter Punkt: ein Grashalm, eine Fahnenspitze, eine Unebenheit im Boden, die Baumkante im Hintergrund. Je kleiner und konkreter das Ziel, desto präziser arbeitet der Kopf.
3. Probeschwung mit Gefühl:
Der Probeschwung dient nicht dem Üben, sondern dem Erzeugen eines Gefühls. Viele Profis machen das genauso: Sie haben einen mit ihrem Trainer abgestimmten Schwunggedanken, der ihnen hilft, einen guten Schlag auszuführen – und genau dieses Gefühl wollen sie im Probeschwung noch einmal spüren. Wichtig dabei: langsam und intensiv, nicht mit vollem Tempo.
4. Einfache Visualisierung:
Ich versuche mir den Schlag so gut es geht vorzustellen – in seiner einfachsten Form reicht dafür schon die gedankliche Verbindung von Startpunkt und Zielpunkt, also die Flugbahn, die der Ball nehmen soll.
5. Locker am Ball bleiben:
Am Ball selbst bleibe ich leicht in Bewegung, bis ich mich mit meinem Setup wohlfühle – am einfachsten, indem ich die Zehenspitzen leicht bewege. Das hält den ganzen Körper locker. Körper und Geist müssen dabei dieselbe Sprache sprechen: Wird der Körper fest, ist der Kopf meist nicht mehr lange zielorientiert.
6. Letzter Blick zum Ziel:
Zum Schluss noch ein bewusster, langsamer Blick zum Ziel, mit einem einzigen Gedanken: „Da will ich hin.“ Im Kopf beschäftige ich mich in diesem Moment mit dem Ziel – nicht mit dem Ball.
Der Unterschied zwischen Range und Platz
Diese sechs Schritte bleiben immer gleich, egal ob Trainingsrunde oder Turnier – und genau das ist entscheidend. Je konsequenter du sie durchläufst, desto weniger unterscheidet sich dein Gefühl unter Druck von deinem Gefühl auf der Range.
Und genau darum geht es am Ende: nicht darum, den Ball mit Willenskraft dahin zu zwingen, wo du ihn haben willst, sondern darum, dich selbst so vorzubereiten, dass du ihm bestmöglich vertrauen kannst.
ÜBER DEN AUTOR
Yannick Rosenberger ist Golf-Mentaltrainer, ehemaliger linkshändiger Golf-Weltmeister und Autor von „GOAL IN ONE – So erreichst Du mit Mentaltraining Deine Ziele im Golf“. Er coacht ambitionierte Hobbygolfer, Profis und Nachwuchsspieler und ist Host des Podcasts „GOAL IN ONE“. Dieser Beitrag entstand im Rahmen des BISON Golf Performance Hub.